Von unsichtbaren Leuchttürmen und Lernblogs – Teil 2

Im ersten Teil meiner Bilanz habe ich so ausführlich über die Problematik eines Lernblogs geschrieben, dass man leicht den Eindruck gewinnt, ich halte das Format „Lernblog“ grundsätzlich für verfehlt. Dass dem nicht so ist, ich dem Bloggen durchaus etwas Positives abgewinnen kann und mir auch vorstellen kann, es im Unterricht zu integrieren, möchte ich nun noch erläutern.

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Bloggen macht vor allem dann Sinn, wenn man sich für ein Thema so sehr begeistert, davon so viel weiss oder so viel Erfahrung hat, dass man seine Kenntnisse weitergeben möchte. Schreibt man einen Blog zu einem Thema, das einem sehr am Herzen liegt, wird man automatisch engagierter und lebendiger Bloggen und dadurch auch leichter von anderen Menschen mit der gleichen Passion gefunden. Das generiert dann auch eher Resonanz als ein Pflicht-Blog zu einem mehr oder wenig stark vorgegebenen Thema. Deshalb nehme ich mir vor, dass ich mir zwar gut vorstellen kann, meine Schülerinnen und Schüler einen Webblog schreiben zu lassen, aber nur, wenn sie das Thema so frei wie möglich wählen können. Das ist natürlich im Deutschunterricht einfacher als in einem LIN:K-Modul. Dass ein Blog über das Anlegen eines Gartens oder über das Selber-Verfertigen von Kleidern nicht als Leistungsnachweis angerechnet wird, wenn es um Lernen im Internet geht, versteht sich ja von selbst. Aber im Deutschunterricht werden fachrelevante Kompetenzen ganz unabhängig vom Blog-Thema gefördert. Selbst wenn die Schülerinnen und Schüler statt über Goethe, Schiller und Brecht eher über Computerspiele, Hasenzucht, Fussballtraining oder Heavy-Metall bloggen, trainieren sie dabei ihren Wortschatz, ihre Formulierungs- und Rechtschreibekompetenzen. Zudem könnte man dann die Regeln für gut sichtbare und damit auch gut gelesene Blogs als Unterrichtsthema nehmen und somit gleich die Reflexion auf eigene Texte und deren Wirkung fördern. Anhand der Regel Nr. 3 in den „Todesurteilen für Blogs“ – „Überschrift schreit: Lies mich nicht“ (s. Teil 1) – kann man gleich rhetorische Figuren und Tropen trainieren, denn diese überraschen, sehen schön aus und machen Lust, etwas zu lesen. Man sieht also: Obwohl ich im Verfassen von Lernblogs gewisse Problematiken wahrnehme, kann ich mir gut vorstellen, diesen gewinnbringend in den Unterricht zu integrieren.

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Und auch mein Lernblog war nicht ohne Nutzen. Denn letztendlich war mein Ziel ja nicht, einen weltbewegenden Blog zu schreiben, der eine internationale Debatte entfacht und eine riesige Community gründet. Vielmehr wollte ich einfach einmal ausprobieren, wie man einen Blog einrichtet und wie man bloggt. Ich habe es nicht nur geschafft, mit dem zugegebenermassen recht einfachen Tools von WordPress einen eigenen Blog zu erstellen, sondern ich habe mich für die Blogs auch immer wieder mit bestimmten Themen auseinandergesetzt. Das ist im Sinne von langfristigem Lernen sehr sinnvoll. Bestimmt hätte die ganze Übung mehr Spass gemacht, wenn mehr Leute aus dem LIN:K-Kurs einen zugänlichen Blog geschrieben hätten. Dann wäre mehr Austausch zustande gekommen, aber ich hätte dann nicht reflektiert, was mir wichtig ist, falls ich meinen Schülerinnen und Schülern einmal den Auftrag gebe, einen Lernblog zu schreiben. Die Moral der Geschichte ist also: Bloggt, dass sich die Balken biegen, aber bitte zu einem Thema, das euch und deshalb hoffentlich auch andere brennend interessiert!

Wie kann ich einen Blog erstellen? 5 Tipps zum erfolgreichen start

1: Du brauchst nicht viel, nur die Passion, die du bereits hast.

(Letsseewhatworks)

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Von unsichtbaren Leuchttürmen und Lernblogs – Teil 1

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Was hat (m)ein Blog gemeinsam mit einem Leuchtturm – so fragte ich in meinem ersten Blogeintrag vom 28. November 2016. Dass bis heute – gut zwei Monate nach der Frage – keine einzige Antwort formuliert wurde, demonstriert sehr anschaulich mein heutiges Thema: die Unsichtbarkeit von Lernblogs.

Ich möchte diesen letzten Blog im Rahmen des LIN:K-Moduls dazu nutzen, um für mich Bilanz zu ziehen und zu reflektieren, inwiefern und bei welchen Kompetenzen mich das Führen dieses Blogs gefördert hat und ob ich in Zukunft meine Schülerinnen und Schüler einen Lernblog schreiben lassen würde. Dazu versuche ich in einem ersten Schritt die Metapher des Leuchtturms auszubuchstabieren, und die Problematik eines unsichtbaren Blogs zu reflektieren. In einem zweiten Teil gehe ich auf die Frage ein, ob und in welcher Form ich das Schreiben eines Lernblogs in meine Schulpraxis aufnehmen würde und was mir der Blog trotz seiner mickrigen Resonanz gebracht hat.

Zunächst zum Blog als Leuchtturm: Das Wort „Blog“ bzw. „Weblog“ ist laut Wikipedia (Stand vom 6.2.2017) eine Wortkreuzung aus dem englischen Wort „web“ für Internet und „log“ für Logbuch. Bereits etymlogisch besteht also eine Verwandtschaft zwischen dem Bloggen und der Schiffahrt. Doch die Gemeinsamkeiten zwischen Leuchttürmen und funktionierenden Weblogs erschliessen sich keineswegs in diesem gemeinsamen Begriffsfeld. Vielmehr zeichnen sich sowohl der gut funktionierende Blog als auch der Leuchtturm einerseits durch ihre Sichbarkeit, andererseits durch ihre Orientierungsfunktion aus. Wie ein Tagebuch hat auch der Blog eine protokollierende Funktion, die nicht zuletzt der Orientierung dient. Im Gegensatz zum Tagebuch ist der Blog allerdings öffentlich und das heisst, sein Ziel ist eben auch Sichtbarkeit. Ein Blog, den niemand liest, und/oder, auf den niemand reagiert, ist eigentlich gar kein Blog. Anliegen der Blogger und Bloggerinnen ist stets das Kreieren einer bestimmten Öffentlichkeit, die den Blog regelmässig liest und darauf reagiert. news-aktuell-gmbh-die-zehn-groessten-fehler-in-corporate-blogs1

Wie wichtig eine aktive Leserschaft und im Idealfall eine offene Kommunikationskultur für einen Blog ist, dokumentieren schon nur die Anleitungen dazu, wie man einen Blog erfolgreich gestaltet. Im Bild rechts sieht man die lustigen 10 Regeln, um einen Blog möglichst schnell eingehen zu lassen. Zeigt diese Liste von News Aktuell und Faktenkontor mit einem Augenzwinkern die größten Fehler, die beim Bloggen gemacht werden, so nähert sich ein Blogger vom Affenblog der Frage mit mehr Ernsthaftigkeit und konkreten Tipps, die vor allem auf das Format abzielen. Ich will hier gar nicht auf die Details eingehen, sondern damit nur demonstrieren, dass ein Blog, der nicht gelesen wird, auf eine ganz grundsätzliche Weise versagt, weil er seine geunine Funktion nicht erfüllt.

Dass ein Blog nicht einfach ein Aufsatz ist, denn man spasseshalber ins Internet stellt, stellt auch der auf der moodle-Plattform verfügbare Artikel „Weblogs im Unterricht: Publizieren, kommentieren und argumentieren“ von teachpapers.de klar:

Nicht nur, weil die Arbeit mit dem Computer
noch immer etwas Spannendes – weil
nicht Alltägliches – ist, bietet es sich an,
Weblogs im Unterricht zu nutzen. Denn
hier können Ihre Schülerinnen und Schüler
schriftlich miteinander in Kontakt treten,
können sie sich austauschen und miteinander
diskutieren. Weblogs fördern das
Schreiben, das Lesen und die Diskussionsbereitschaft.
Und wenn Sie mögen, können
Sie sogar Menschen aus der ganzen Welt
zum Mitdenken und Mitreden einladen.

Die Idee, mit einem Blog in Kontakt mit anderen Userinnen und Usern zu treten, ja: im Idealfall „Menschen aus der ganzen Welt zum Mitdenken und Mitreden“ zu animieren, ist unlöslich mit Sinn und Zweck eines Blogs verbunden.

In dieser Hinsicht war/ist mein Lernblog schlicht und ergreifend ein Flop. (Immerhin hat Reini von lernbausteine hin und wieder kommentiert und geliked *freufreu*). Aber von einer Blog-Community kann keine Rede sein und das liegt nicht (nur) an mir, sondern auch am Format eines Lernblogs. Wie die Grafik rechts zeigt, steht und fällt ein Blog mit der Themenwahl. Wer setzt sich schon am Abend hin und durchforstet voller Wissensdurst das Netz nach Blogs zum Thema Lehren und Lernen?! Ich jedenfalls nicht.

In welcher Form ein Lernblog vielleicht doch eine gute Unterrichtsform ist und was ich beim Bloggen gelernt habe, findest Du im zweiten Teil.

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Von den Abgründen und Förderungsmöglichkeiten der allgemeinen Studierfähigkeit

Rein theoretisch müsste jeder Maturand und jede Maturandin der Schweiz jedes beliebige matura-loading-t-shirts-maenner-premium-t-shirtStudium erfolgreich abschliessen können. Das Schweizer Maturazeugnis bestätigt nämlich nicht weniger als die allgemeine Studierfähigkeit. Dass dies selbstredend blosses Wunschdenken ist, wurde in den letzten Jahren vermehrt und bisweilen ziemlich polemisch diskutiert. So berichteten die Medien etwa von Vorwürfen der Universitäten an die Gymnasien. Man habe an der Uni zunehmend mit überforderten und schlicht ungeeigneten Kandidatinnen und Kandidaten zu tun, weshalb es vielleicht bald nötig werde, für alle Studienfächer und nicht wie bis anhin nur für die Medizin Eignugnstests durchzuführen. Vertreterinnen und Vertreter der Gymnasien wehrten sich und  der Mittelschullehrerverband Zürich (MVZ) liess in der gleichen Zeitung in einer Medienmitteilung verlauten, man wehre sich „dezidiert gegen den pauschalen Vorwurf, dass heutige Maturandinnen und Maturanden an den Hochschulen völlig überfordert seien und grundsätzlich nicht zum Studium an einer Hochschule befähigt sein sollen“.

Interessanterweise gaben die beiden EVAMAR-Studien, die  2001 und 2005 vom Bund (Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI) und den Kantonen (EDK) in Auftrag gegeben wurden, um die Maturitätsreform MAR 95 zu evaluieren und den Bildungsstand der Maturanden und Maturandinnen am Ende des Gymnasiums zu untersuchen, beiden Seiten Recht: Ja, es gäbe im unteren Leistungsbereich Maturandinnen und Maturanden, die ungenügende Vorkenntnisse mit an die Uni bringen. Aber nein, es sei keineswegs so, dass die jungen Studierenden grundsätzlich schlecht vorbereitet seien für die Universität. Vielmehr würde es an ganz spezifischen Kompetenzen mangeln und hier wird es nun interessant für die Frage nach computergestütztem Lehren und Lernen.

So zeigte sich, dass es den Studienanfängerinnen und -anfängern weniger an spezifisches Fachkenntnissen, als vielmehr an fächerübergreifenden Kompetenzen mangeln würde. Nebst Strategien für selbstreguliertes Lernen oder etwa erweiterten Lesekompetenzen fehlt manchen Maturandinnen und Maturanden auch das Knowhow am Computer – und zwar sowohl bezüglich der Recherchemöglichkeiten als auch bezüglich der Gestaltung von Seminararbeiten und ähnlichem. Als Dozentin an der Universität kann ich das nur bestätigen. Ich erhalte jedes Semester Seminararbeiten bei denen das Inhaltsverzeichnis manuell erstellt ist und entsprechend aussieht, bei denen Flatter- und Blocksatz wild durcheinander verwendet werden und die insgesamt davon zeugen, dass ihr Verfasser bzw. ihre Verfasserin alles andere als routiniert ist im Umgang mit einfachen Textverarbeitungsproblemen.

Das heisst also für uns (zukünftige) Lehrerinnen und Lehrer, dass es durchaus Sinn macht, die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten vermehrt ihre Texte am Computer schreiben zu lassen. Dann müsste aber auch Wert auf eine ansprechende Gestaltung gelegt werden und man könnte auch gleich üben, wie denn ein Inhaltsverzeichnis erstellt wird, wie man formatiert und wie man etwa längere Zitate einrücken kann. Das sind alles Dindocx-file-56a6f9515f9b58b7d0e5c81dge, die man beim Schreiben in einem Blog, auf Olat oder ähnlichen Plattformen nicht braucht. Deshalb sollte man als Lehrperson meines Erachtens nicht nur online Texte erfassen lassen, sondern auch Grundkenntnisse im guten alten Word vermitteln.

 

Ein Lob auf das einsame Trainieren und Lernen

Nach so vielen Blogeinträgen zum Thema Unterrichten und Lernen, reden wir doch heute lieber einmal von etwas anderem – um dann natürlich zu guter Letzt doch wieder vom Lernen im Allgemeinen und vom Lernen im Netz im Besondern zu reden. Reden wir also zunächst einmal von guten Vorsätzen und deren Umsetzung. motivation-sport-und-erna%cc%88hrung-weg-finden1-830x555edited

Ich zum Beispiel habe mir für das Jahr 2017 vorgenommen, mir endlich wieder Zeit zu nehmen für Sport. Während ich früher mindestens drei- bis viermal die Woche trainiert habe und sogar noch am Tag, an dem meine Kleine geboren wurde, über eine Stunde lang walken war, habe ich im letzten halben Jahr kaum mehr Sport getrieben, und ich muss sagen: Es fehlt mir extrem. Das Problem ist nur: Wann soll ich das auch noch schaffen? Irgendwie muss ja der ganze Haushalt erledigt werden, die Arbeiten für die Uni wollen auch nicht ewig liegen bleiben und für die Lehrerinnenausbildung muss ich auch hin und wieder etwas machen. Dazu kommt, dass ich abends, wenn dann mein kleiner Sonnenschein endlich im Bett ist, nicht selten schlicht und ergreifend zu müde bin, um noch draussen rumzurennen oder mich im Fitnessstudio in Form zu bringen.

Genug gejammert, die Lösung habe ich dank der Empfehlung einer lieben Freundin gefunden und zwar im Internet. Ich habe jetzt meine netten Personaltrainers aus Australien. Mit Kelli und Daniel von Fitnessblender https://www.fitnessblfitness-blender-frontpage-kelli-danielender.com/ kann ich jederzeit trainieren. Also auch erst um 22.00 Uhr, wenn ich plötzlich doch noch Energie habe, um etwas zu machen und ich kann auswählen zwischen ganz kurzen (30min) und längeren Trainings.  Kelli, meine herzige Fitnesstrainerin von Downunder macht alles vor, motiviert mich, lächelt mich an und es macht einfach Spass mit ihr zu trainieren.

Die Vorteile gegenüber den traditionellen Kursen im Fitnesszentrum liegen auf der Hand und sind durchaus vergleichbar mit den Vorteilen von E-Learning: Nebst örtlicher und zeitlicher Flexibilität erlaubt das Trainieren mit Online-Trainingsvideos auch ein extrem individualisiertes Training. Heute kein Bock auf langes Rumhampeln? Na, dann los zum Fit-in-20min-Training. Oder im Hotel irgendwo keine Hanteln dabei? Kein Problem, ich kann ja einfach ein Training ohne Equipment suchen. Alles was ich fürs Training wirklich brauche, ist ein elektronisches Gerät mit Internetzugang. Sehr einfach also! Zudem fühle ich mich beim Training mit meiner netten youtube Trainerin Kelli so wunderbar unbeobachtet. Ja, klar, die Hose ist alleindexs andere als modern und wirklich gut ist die Form auch nicht, aber egal: niemand siehts und ich bekomme keine Komplexe, weil die anderen viel schneller, trainierter und natürlich schöner sind als ich. (= Somit mache ich brav alles mit. Auch das, was wahrscheinlich sehr sehr sehr lächerlich aussieht.

 

Wie eingangs erwähnt lassen sich die positiven Effekte aufs Lernen anwenden. Beim Online-Trainieren und –Lernen wird man nicht von einer Gruppe abgelenkt, man verlgleicht sich nicht ständig mit anderen, kann oftmals viel individueller, zeitlich und örtlich flexibel lernen. Wenn ich etwa auf Babble einen Russischkurs belege, kann ich abends vor dem Einschlafen noch kurz eine Lektion durcharbeiten und weil mich ja niemand beobachtet und ich mich nicht vergleichen muss, bin ich gleich viel mutiger bei den Ausspracheübungen. Und glabut mir: russische Aussprache ist wirklich wirklich schwierig!

Allerdings wird jetzt natürlich sofort auch klar, wo vielleicht die Probleme solcher Lern- bzw. Trainingssettings liegen könnten: Man bekommt kein individuelles Feedback von einem Lehrer/ einer Lehrerin. Wenn ich also Übungen absolut stümperhaft und gemeingefählich ausführe, wird mich meine liebe Kelli von Fitnessblender nicht davon abhalten können, mir Gelenke auszurenken oder Knochen zu brechen, und wen54950c35d8f748640dba504ca4290956n mein Russisch eher Spanisch tönt, wird mir das leider im schlechtesten Falle erst in Moskau auffallen. So ist es halt, es gibt keine Rosen ohne Dorne, aber an den Rosen darf man sich trotzdem freuen!

Top oder Flop – Qualitäten guten Unterrichts

Wir alle erinnern uns an sie – an die grauen oder auch nicht grauen, aber jedenfalls lehrer-laempelirgendwie verstaubten Eminenzen, die uns ein Fach beibringen wollten, das uns vielleicht irgendwann einmal interessiert hätte, an dem uns aber jede Freude durch eine entsprechende Lehrerperson gründlich und langfristig verdorben wurde. Aber erinnern wir uns auch an die anderen, jene Lehrerinnen und Lehrer, die uns für ein Fach begeistern konnten, das uns vorher nicht sonderlich interessiert hatte? Ich habe beides erlebt und finde es ganz schwierig, präzise zu benennen, was denn eine gute von einer schlechten Lehrperson unterscheidet.

Als ich für die Bildungswissenschaftenprüfung das Thema „Unterrichtsqualität“ bearbeitete, fand ich einige Antworten. Da die Frage nach guter Unterrichtsqualität eng verknüpft ist mit der Gretchen-Frage nach eine/r gute/n Lehrer/in und dies für mich als angehende Lehrerin von eminenter Wichtigkeit ist, fasse ich im Folgenden zusammen. Im Anschluss möchte ich reflektieren, inwiefern computergestütztes Lernen bei diesen Punkten hilfreich sein kann.

Andreas Helmke nennt im Artikel „Forschung zur Lernwirksamkeit des Lehrerhandelns“ folgende Komponenten lernförderlichen Lehrerverhaltens:

Klassenmanagement

Dazu gehört etwa, dass eine kompetente Lehrperson es versteht, die ohnehin knappe Unterrichtszeit auch tatsächlich fürs Lernen zu nutzen und disfunktionalen Zeitverlust (z.B. bei Übergängen, bei Einteilungen zu Gruppenarbeiten usw.) zu vermeiden.

Auch die frühe Einführung, gelegentliche Rekapitulation und das konsequente Durchsetzen von Regeln führt zu einer effizienten Klassenführung. Dank einer solchen lernt es sich einfach besser.

Hier birgt der Einsatz technologiegestützten Lernens nicht nur Vorteile, sondern auch gewisse Gefahren. So kann das Bereitstellen, Einloggen, Beamer-Aktivieren etc. sehr schnell recht viel Zeit stehlen und Unruhe in die Klasse bringen. An der Uni klappt das dank einem super Support grossartig, aber ich achte dennoch darauf, mindestens eine Viertelstunde vor dem Unterrichtsbeginn im Hörsaal zu sein, um noch Zeit zu haben, alles einzurichten, falls es einmal nicht klappen sollte.

Klarheit, Strukturiertheit

Die Hattie-Studie unterstreicht die Lernwirksamkeit von clarity, indem sie eine Effektstärke von d=0.75 belegt, was einem sehr starken Effekt entspricht. Der gute Lehrer oder die tolle Lehrerin sprechen also gut verständlich, formulieren prägnant, legen ihre Inhalte kohärent und fachlich korrekt dar.

Für diesen Aspekt ist klug eingesetztes computergestütztes Lernen sehr hilfreich. Eine gute Powerpoint-Präsentation kann enorm helfen, strukturiert und inhaltlich prägnant vorzutragen. Allerdings erlebe ich gerade an der Uni häufig, dass Dozierende die spezifische Medialität von Powerpointfolien zu wenig berücksichtigen. So sollten etwa Modelle, die für die ganze Vorlesung wichtig sind, besser auf einem Flipchart o.ä. präsentiert werden, damit sie nicht verschwinden und manch ein Professor hält seine Vorlesungen eher gegen die Leinwand als für die Studierenden und dann gibt es noch jene, die meinen, ihren nächsten Aufsatz in Powerpoint präsentieren zu können. In den vielen vielen detaillierten Informationen geht dann leider die zentrale Aussage schnell einmal verloren.

Kognitive Aktivierung

Dass Schülerinnen, die während des Unterrichts zum mit- und selber denken angeregt werden, besser lernen, haben empirische Studien insbesondere für das Fach Mathematik und die anderen naturwissenschaftlichen Fächern belegt. In den Sprachfächern konnten bisherige Studien noch keine hohe Relevanz von kognitiver Aktivierung nachweisen.

Lernförderlichen Klima, Motivierung, Unterstützung, Schülerorientierung

Hier ist meines Erachtens die Persönlichkeit der Lehrperson wichtiger als irgendein Hilfsmittel. Schön möglich, dass Schülerinnen und Schüler motivierter sind, einen Blog zu schreiben oder zu twittern, anstatt ein langweiliges Lernjournal zu führen, aber das allein wird noch kein lernförderliches Klima ausmachen.

Formative Evaluation

– so lautet das vermeintliche Zauberwort der Hattie-Studie. Gemeint ist damit die visible-learning-german-hattie-studie-deutsch-lernen-sichtbar-machen1-212x300systematische Nutzung aller zugänglichen Informationen, die Auskunft über Lernmöglichkeiten, Lernstand, Lernprozess und Lernerträge liefern und zwar durch ein bidirektionales Feedback. Also die Lehrenden geben den Lernenden Feedbacks und vice versa. „Redät mitenand“ würde der Schweizer sagen. Auch hier kann computergestütztes Lernen vor allem beim Erstellen, Ausfüllen und Auswerten von Fragebogen helfen, aber auch durch die vielen online Kommunikationsformen ist moderne Technologie für diesen Aspekt von gutem Unterricht förderlich.

Mal schauen, ob ich mit diesen Ratschlägen, einem Laptop, Handy und Tablet eher eine von den gefürchteten schlechten Lehrerinnen werde oder die beliebte Lehrerin, bei der alle viel lernen und zu der alle gern gehen. Letzteres ist ja dann doch nicht ganz so wahrscheinlich, aber die Hoffnung stirbt zuletzt und immerhin bieten die modernen Technologien die Möglichkeit, sehr schnell die knallharte Meinung zu erfahren – per Abstimmung mit dem like-/dislike-button!

like-dislike-button

Mein vorweihnachtliches kahoot-Quiz. Ein Erfahrungsbericht

Vor einiger Zeit habe ich im Zusammenhang von Langeweile im Unterricht angeregt, dass der Einsatz von technologiegestütztem Lehren möglicherweise die Aus-dem-Fenster-Gucker zurück ins Klassenzimmer holen könnte. Dabei verwies ich auch bereits auf die Möglichkeit, den Unterricht mit einem kahoot-Quiz aufzulockern. Diesen guten Tipp erhielt ich übrigens aus der Praxis – nämlich von einem Kommilitonen, der schon einige Lehrerfahrung hat und regelmässig Lateinvokabular über ein kahoot-Quiz testet. Diesem Lehrer erzählt ich von meinem Plan, in der letzte Doppellektion meines Seminars an der Universität ein Quiz zu unserem Seminarthema zu veranstalten. Dabei dachte ich allerdings an eine Quiz alter Schule, mit ein paar Fragen, die ich stelle, und welche die Studierenden dann schriftlich oder mündlich zu beantworten versuchen. Ich habe damit in anderen Seminaren gute Erfahrungen gemacht. Erlaubt doch die Form des Quiz, dass man sich auf spielerische Art und Weise vergegenwärtig, was man im Verlaufe des Semesters gelernt hat und als Lehrperson gibt es einem auch die Gelegenheit, die Dinge, die noch nicht verstanden wurden, ein letztes Mal zu erklären. Der moderne Lateinlehrer hörte von meinem Plan, sagte „mach doch ein kahoot“ und zeigte mir gleich, wie es funktioniert. Ich war sofort begeistert davon und wollte es ausprobieren. Der Mehraufwand ist fast gleich null. Man muss wirklich nur die Fragen und einige Lösungsvorschläge eingeben und fertig bzw. fast fertig. Nicht ganz unwichtig ist nämlich die Organisation der betreffenden Sitzung im Vorfeld. Glücklicherweise fiel mir noch ein, den Studierenden eine Woche vorher zu sagen und zu schreiben, sie sollten in die letzte Stund ihren Computer oder jedenfalls ein Smartphone oder Tablet mit Internetzugang mitnehmen. Denn auch das schönste kahoot nützt nichts, wenn man mangels an internetfähigen Geräte keine Mitspielerinnen hat.

Die letzte Stunde kam, die SeminarteilnehmerInnen glücklicherweise auch und sie hatten sogar alle ein Gerät mit Internetzugang dabei – ein Traum! War ich doch die einzige, die das Laptop vergessen hat, das ich eigentlich selber mitbringen wollte, falls jemand seins vergessen sollte… Nach einigem Hin und Her waren denn auch alle im Quiz eingeloggt und es konnte losgehen. Leider brach bei einer Teilnehmerin in der Hälfte des Spiels die Verbindung zum Netz zusammen und es kostete mich einige Mühe, sie wieder auf kahoot einzuloggen. Aber schlussendlich funktionierte alles und wir hatten eine vergnügliche und doch auch lehrreiche letzte Seminarsitzung. Ich für meinen Teil merkte jedenfalls, dass eine Unterrichtsform wie kahoot zwar sehr unterhaltsam und spannend ist, aber für eine Novizin wie mich auch schnell Stress bedeutet – wenn nämlich etwas nicht funktioniert und ich irgendwie herausfinden muss, wieso das so ist. Aber das ist eine Frage der Erfahrung. Noch einige kahoots und ich werde jede Störung aufs Souveränste beheben.

Die Studierenden fanden das Quiz super. Sie genossen die andere Form des Unterrichts und hatten die Möglichkeit ihren Wissensstand spielerisch zu überprüfen. Was allerdings einige wenige negativ empfanden, was das kompetitive setting. Die Sitzung fand ja schliesslich kurz vor Weihnachten statt und da wäre vielleicht ein Quiz als Adventskalender angemessener gewesen. Ich werde die Kritik berücksichtigen und beim nächsten kahoot die Teilnehmenden ermuntern, sich mit Pseudonyms anzumelden. Dann wissen nämlich nur sie, ob sie viel oder wenig gewusst haben. Ich freu mich schon auf die nächste kahoot-Sitzung.

 

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Stell dir vor, es ist Schule, und keiner geht hin. Zu den Vorteilen von E-Learning 2.0

Nach meinen letzten, doch eher frei heraus geschriebenen Beiträgen, will ich heute einen Lernblog-Beitrag im engeren Sinne schreiben. Es soll ganz konkret um Gelerntes gehen und so fasse ich also das Kapitel  „Geschichte des Fernunterrichts. Vom brieflichen Unterricht zum gemeinsamen Lernen im Web 2.0“  im online zugänglichen Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien zusammen, welches von Martin Ebner und Sandra Schön ediert wurde. Dass es dabei nicht ohne eigene Reflexionen und Verknüpfungen zu meinen früheren Artikeln abgehen wird, versteht sich von selbst.

Doch zunächst also zur Geschichte des Fernunterrichts, die man kurz und knapp als Entwicklung hin zum titelgebende Szenario umschreiben könnte: Stell dir vor, es ist Schule, und keiner geht hin. Jetzt muss es aber im Satz so weitergehen: Und trotzdem lernen alle SchülerInnen eine ganze Menge. Wie kann das sein? Die Antwort liegt im letzten Entwicklungsschritt, den Olaf Zawacki-Richter, der Verfasser des hier zur Verhandlung stehenden Kapitels, in Anlehnung an D.R. Garrison skizziert:

Beginnen wir bei den Anfängen des Fernunterrichts: Laut Garrison und Zawacki-Richter lässt sich die Geschichte des Fernlernens in drei Generationen technologischer brief1Innovationen einteilen: Die Idee, dass man etwas lernen kann, ohne in der Schule zu sitzen, ist älter als 250 Jahre. So verschickte die sogenannte „Korrespondenz-Generation“ bereits Mitte des 19. Jahrhunderts Studienbriefe mit Lerninhalten für das Selbststudium. Der bis heute florierende Verlag Langenscheidt etwa geht zurück auf die Selbstunterrichtsbriefe für Französisch-Sprachkurse, die Gustav Langenscheidt zusammen mit Charles Toussaint herausgab, bevor er 1956 seinen eigenen Verlag gründete. Bereits 1858 wird in Südafrika die erste Fernuniversität gegründet. Bezeichnende für diese erste Generation des Fernunterrichts war allerdings die „noch sehr eingeschränkte bi-direktionale Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrenden. Der Kontakt zu anderen Lernenden war allenfalls im Rahmen von Präsenzveranstaltungen möglich und somit extrem eingeschränkt“ (Zawacki-Richter). Das ist in der Tat eine etwas missliche Lage: Man erhält zwar Unterrichtsmaterialen, hat jedoch keine Möglichkeit innert nützlicher Frist Fragen beantwortet zu bekommen. Sokrates, der überzeugt war, dass man nur durch das Gespräch zu Erkenntnis gelangt, wäre entsetzt, und auch ich stelle es mir sehr problematisch für produktives Lernen or, wenn man keine Möglichkeit hat, schnell mal beim Lehrer oder bei Mitlernenden nachzufragen, wie das genau zu verstehen sei.

Das Problem der eindimensionalen Kommunikationsrichtung vermag die zweite Generation in der Entwicklung des Fernstudiums, dieTelekommunikation- oder Fernuniversitäten-Generation“ vor allem mit Hilfe von Audio-, Video und Computerkonferenzen zu entscistock_000017087192xsmallhärfen. Diese Fernlern-Generation ist eng verknüpft mit dem Boom der Open Universities gegen Ende der 1960er und Anfang der 1970er. Vielen von diesen Fernuniversitäten richten regionale Studienzentren ein, welche regelmässig Audiokonferenzen organisieren, bei denen Studierende sich mit ihren Mitstudierenden und vor allem auch mit ihren Lehrerinnen und Lehrern austauschen können. Damit ist zwar das Problem der mono-direktionalen Kommunikation wenigstens ansatzweise gelöst, jedoch entsteht dabei eine neue Schwierigkeit: „Die Synchronität der Telekonferenzmedien steht dem Gedanken, einer möglichst großen Zahl von Personen einen Zugang zum Studium zu ermöglichen, entgegen“ (Zawacki-Richter). Tatsächlich muss es für die Ziele einer Fernuniversität als Rückschritt erachtet werden, wenn sie zu Gunsten einer optimalen Kommunikationskultur an zeitlicher und örtlicher Flexibilität einbüsst. Genau die Flexibilität sollte ja der Vorteil von Fernuniversitäten Gegenüber herkömmlichen Lerninstitutionen sein.

Die dritte Generation, die „Computer- und Internet-Generation“, hat es nun dank dem World Wide Web und vor allem dank  Web 2.0 geschafft: Sie hat endlich die eierlegende 3d-kleine-leute-globaler-manager-20723684Wollmilchsau im Fernlernstall gezüchtet. Bereits die explosionsartige Entwicklung des Internet und die massenhafte Verbreitung von Computern in den 1990er Jahren ebneten den Weg zu einem ganz neuen Fernlern-Szenario. Doch erst der Durchbruch des Web 2.0, die enorme Verbreitung von interaktiven Anwendungen im Internet, führten zum goldenen Fernlern-Zeitaltern, in dem wir heute leben. Es hat sich nämlich gezeigt, „dass der Programmierte Unterricht ohne soziale Interaktion und ohne Dialog zwischen Lernenden und Lehrenden sowie den Lernenden untereinander wenig erfolgreich ist“ (Zawacki-Richter). Diesen lernbehindernden Missstand behebt das Web 2.0 und die darauf  basierenden Ideen zum E-Learning 2.0. Wikipedia, Personal Learning Environments oder auch Lernblogs und die vielen vielen anderen E-Learning-Tools haben nämlich eines gemeinsam: Sie „leben von der aktiven Inhaltsgenerierung der Nutzer/innen“ und tragen damit der Tatsache Rechnung, dass Lernen ein sozialer Prozess ist, der nicht ohne Kommunikation und Feedback auskommen kann (Zawacki-Richter).

Weil wir also Kinder der Computer- und Internet-Generation sind, können wir getrost behaupten, wir brauchen nicht zur Schule zu gehen, um etwas zu lernen. Da ist es doch irgendwie ganz schön ironisch, dass ausgerechnet das LIN:K-Modul, in dem ich diese Weisheiten – übrigens heute selbständig im Homeoffice – lerne, eine Präsenzpflicht kennt. Und noch etwas habe ich im heutigen Selbststudium verstanden: Manfred Spitzer mag Recht haben, wenn er behauptet, dass Babies beim Baby-Einsein nichts lernen (s. meinen vorletzten Beitrag) , das liegt aber nicht an den Programmen, sondern daran, dass die lieben Kleinen einfach zu ungeschickt sind, um einen Blog zu schreiben, ein PLE aufzusetzen oder sich über ein Lernforum auszutauschen.

Mit dem Computer der Langeweile den Garaus machen

Heute habe ich in der Bildungswissenschaften I-Vorlesung von Prof. Dr. Thomas Goetz etwas über sein Spezialgebiet gelernt: über die Langeweile. Jeder kennt sie, aber keiner weiss so genau, wie sie funktioniert, wieso sie manchmal da ist und machmal nic
ht, wieso sie manchmal nervt und ein anders mal entspannt. Die Psychologen interessieren sich neuerdings sehr für dieses seltsame Tier namens Langeweile – auch und gerade im Zusammenhang mit der Schule. Dabei hat sich wenig überraschend herausgestellt, dass Langeweile sich negativ auf die schulischen Leistungen auswirkt. Sie korreliert übrigens auch mit Spielsucht, Übergewicht, Betäubungsmittelmissbrauch und anderen unschönen Sachen. Es mangelt also nicht an Gründen, sie wenigstens aus dem Unterricht zu verbannen.pic_1369921561_1001

Nun könnte man sagen: Pech für die Mathematiker. Das ist für die meisten nun mal nicht ganz so prickelnd wie vielleicht Geschichte, Geographie oder Deutsch. Könnte man sagen, ist aber, wie so manchen, was man sagt, falsch. Die empirische Forschung legt nahe, dass Langeweile weniger durch die formalen Bedingungen, also beispielsweise durch das Fach, verursacht wird, sondern eher durch das, was im Unterricht passiert. Den größten Einfluss auf Langeweile hat also die Unterrichtsgestaltung und nicht etwa das Fach. So würden etwa Lehrer maßlos ihre Redezeit unterschätzen. Heisst etwas salopp: Die LehrerInnen reden und reden und reden und die SchülerInnen gähnen und gähnen und gähnen. Und am Ende meinen die Lehrpersonen noch, sie hätten doch eigentlich gar nicht so viel geredet.

Diesem Missstand könnte man auch und gerade mit dem Einbezug digitaler Medien im Unterricht entgegenwirken. Ich habe ehrlich gesagt bis anhin beim Stichwort „abwechslungsreich Unterrichten“ vor allem an Gruppenarbeit, Powerpoint, Wandtafel, Projektarbeit und Plipchart gedacht, aber das E-Learning eröffnet da doch noch ganz ungeahnte Möglichkeiten. Als geeignete Mittel, um Langeweile im Unterricht zu verhindern, nennt Goetz nämlich unter anderem die Individualisierung (gegen Unter- und Überforderungslangeweile) und das Erhöhen der intrinsischen Valenz (also den Bezug zur „Lebenswirklichkeit“ verstärken). Für individualisierendes Unterrichten bietet sich der Computer auf jeden Fall an und auch die intrinsische Valenz kann – zumal für den Deutschunterricht – gut mit E-Learning erhöht werden. Wer würde nicht lieber einen Blog als einen Aufsatz schreiben, wer lernt die Kommaregeln nicht lieber mit einem gut gemachten Kahoot-Quiz als auf einem öden Übungsblatt und wer ersetzt seine/n Englischlehrer/in nicht gerne hin und wieder mit Babbel.

In diesem Sinne werde ich künftig öfter den Computer als Langeweile-Killer ins Klassenzimmer bitten. Dann kann es hoffentlich nicht mehr an meinem Unterricht liegen, wenn meine Studierenden spielsüchtig, übergewichtig oder abhängig von Genussmitteln werden.

 

Lehrer raus! Computer rein!?

Ist es im 21. Jahrhundert überhaupt noch zeitgemäss, Lehrerin werden zu wollen? Wird es nicht demnächst heissen: We might need some education, but no teachers at all? Es scheint kaum Lerninhalte zu geben, die man nicht am Computer, Handy oder Tablet lernen kann. Sollen also die Lehrer raus aus den Klassenzimmern, die Computer jedoch rein? Oder ist es vielleicht genau andersrum und Lernen am Computer eine reizvolle aber letztlich nutzlose Spielerei?  Manfred Spitzers Buch Digitale Demenz warnt im Hinblick auf technologiegestütztes Lernen und Lehren vor zu viel Enthusiasmus. Spitzer referiert in seinem Bestsellerunter anderem auf eine Studie, in der man Kleinstkinder während einer gewissen Zeit mit Chinesisch konfrontierte und dann untersuchte, ob es einen Lernerfolg gibt. Eine Gruppe erhielt den Baby-Fremdsprachenunterricht digital vermittelt (Videos – wenn ich mich richtig erinnere), die andere Gruppe wurde von einer Chinesin/einem Chinesen in einer face-to-face Situation „unterrichtet“. Resultat: Nur die Kleinen, die von der realen Person unterrichtet wurden, verzeichneten Lernerfbe_profile_picolge. Spitzer führt diese Studie als Beweis dafür an, dass Kleinkinder entgegen anderweitiger Versprechen (Baby-Einstein und Co.) vom Fernsehen und anderen technischen Geräten rein gar nichts lernen können und unbedingt auf Bezugspersonen aus Fleisch und Blut angewiesen sind. Andere Studien weisen laut Spitzer darauf hin, dass auch bei Jugendlichen und Erwachsenen E-Learningsettings eher nicht erfolgsführend sind, dass sich also die neuen Medien eher als Hindernis, denn als Brücke zu Lerninhalten erweisen.

Meines Erachtens kommt wohl auch hier das goldene Mittelmass zum Tragen. Das blended-learning, in dem Online-Phasen mit Präsenzphasen abwechseln, scheint mir eine sehr sinnvolle Variante des E-Learnings zu sein. So können die Lehrenden teilweise orts- und zeitunabhängig mit neuesten Medien selbständig lernen und doch gibt es eine Lehrerin/einen Lehrer, der an gewissen Tagen, zu bestimmten Zeiten und an einem ausgemachten Ort individuelle Fragen beantworten kann und last but not least dem Lerninhalt ein Gesicht gibt. Denn seien wir ehrlich: Es sind doch recht viele Dinge, die wir gelernt haben, weniger mit einem bestimmten Lehrmittel als vielmehr mit einer bestimmten Lehrperson verbunden. Dann dürften also die Computer gerne ins Klassenzimmer rein, aber die Lehrpersonen abzuschaffen, wäre dann wohl doch das Kind mit dem Bade ausgegossen. 597440-130504170004

 

 

 

 

 

vgl. zu Baby-Einstein auch den informativen Wikipedia-Eintrag

vgl. zur kritischen Diskussion von Spitzers-Thesen u.a. die verlinkten Artikel im Beobachter, und im Spiegel.

„I gseh, i gseh, was du nid gsehsch“ – Literaturwissenschaftliches Lesen goes Hollywood

Ein Lernvideo erstellen stand heute auf dem Programm des LIN:K-Kurses. Das hört sich zunächst nach einem spannenden Auftrag an und ich war entsprechend motiviert, ja – fast sah ich mich schon als Oskar-Preisträgerin. Nach der Freude kam dann erst einmal die Ernüchterung bei der Themensuche. Das Lernvideo sollte nämlich etwas mit unserem Fach zu tun haben. Schade. Wollte ich doch eine Bedienungsanleitung – ja geradezu ein Notfallplan – für einen Trotzanfall bei einem Kleinkind erstellen. Im Handling eines tobenden kleinen Menschen bin ich erfahrene Expertin und ich hätte dazu Hollywood würdiges Bild- und Tonmaterial mit hohem Anschauungs- und Unterhaltungswert. Ich glaube fast, ich wäre mit diesem Video berühmt geworden, hätte es sofort auf youtube und in meinen Blog gestellt und eine glänzende Karriere als Erziehungsberaterin wäre mir gewiss gewesen. Hätte, wäre, würde…. Das kennt man. Aber es hat leider nicht sollen sein.

So sah ich mich genötigt, mir zu überlegen, was ich über mein zukünftiges Unterrichtsfach Deutsch in einen Film transformieren möchte. Was lässt sich denn überhaupt sinnvoll in einem kurzen Video zeigen? Kommasetzung bei Infinitivsätzen, Gross- und Kleinschreibung, alte und neue Rechtschreibung, wie verfasse ich eine Schilderung, Merkmale der Romantik? Das ist doch nicht gerade prickelnd. Wenn wir ehrlich sind, sind diese Themen – zumal in filmischer Form – stinklangweilig. Wer das Thema hört, wird den Film kaum zu Ende anschauen, wenn er nicht muss. Dann also etwas, was vielleicht doch noch einigermassen interessant ist. Also eine Frage aus dem Leben gegriffen.

Als Literaturwissenschaftlerin amüsiert es mich immer wieder, dass weite Teile der Bevölkerung nicht nur meinen, sondern felsenfest glauben, dass eigentlich jeder, der schon einmal ein Buch zu Ende gelesen hat, in gewissem Sinne Experte für Literatur oder doch zumindest dieses Buch sei. Und in der Tat ist es nicht ganz einfach, zu erklären, was ich als  Literaturwissenschaftlerin anderes mache als Bücher zu lesen. Es drängt sich also die Frage auf, inwiefern denn eine literaturwissenschaftlich geschulte Leserin anders liest als ein Bücherliebhaber, der sich in freien Stunden gerne Romane, Gedichte und andere Literatur zu Gemüte führt. Was sieht denn der Literaturwissenschaftler, was andere LeserInnen vielleicht eher nicht sehen? Als Antwort auf diese Frage versuchte ich  heute morgen  in wenigen Schritten am Beispiel „Prometheus“ von Johann Wolfgang von Goethe filmisch aufzuzeigen, wie sich der szientistische vom laienhaften Lesemodus unterscheidet. Mit wenigen Stichworten wollte ich demonstrieren, dass der studierte Literatur-Lesende sich andere bzw. weitere Fragen stellen wird als Otto Normalverbraucher. In aller Kürze sei hier zusammengefasst, dass ich in meinem Video vor allem folgende Analyse-Schritte als spezfisch literaturwissenschaftliche vorstelle: 1) Kontextualisierung, 2) Formale Merkmale des Werks und 3) Figuren und Tropen. Besonders interessant ist das Zusammenlesen von formalen und inhaltlichen Merkmalen. (Berechtigte können sich das Video über diesen Link herunterladen).

Das Resultat ist leider doch nicht ganz so Oskar reif, wie es angedacht war, und auch etwas zu lang. Fast fürchte ich, der Film sei vielleicht trotz des an sich spannenden Inhalts wegen seiner Ausführlichkeit doch recht langweilig geraten. Wieso denn nur quatsche ich so furchtbar viel? Ich denke, hier zeigt sich die Problematik des Vereinfachens. Der Film lebt immer auch und gerade von Verkürzungen. Wissenschaftliche Inhalte prägnant zusammenzufassen und zu vereinfachen, ist zwar eine immens wichtige Aufgabe jeder Lehrperson, aber es ist ebenso schwierig zu bewerkstelligen. Um die medial erforderte Komplexitätsreduktion aufzufangen, sah ich mich genötigt, sprachlich möglichst viel Information zum Filmchen abzugeben und trotzdem würde ich mein Video nur ungern meinen Studierenden zeigen. Das liegt nicht nur an den technischen Unfeinheiten, sondern an den vielen inhaltlichen Halbwahrheiten, die ich so nicht in eine Publikation schreiben würde. Wenn man in acht Minuten erklären könnte, wie man literaturwissenschaftlich liest, könnten die Studierenden ja gleich die Einführungsvorlesung  schwänzen, und nur meinen Mini-Film schauen. Aber das würde ich natürlich niemandem empfehlen. Vielleicht liegt in der Kürze die Würze, aber der Teufel steckt immer noch im Detail und es sind genau diese wichtigen Kleinigkeiten, die man in einem Lernvideo nicht berücksichtigen kann. Deshalb ist mein Fazit zum Lernvideo: Tolles Tool, um oberflächlich in ein Thema einzuführen, aber dann müssten die vermittelten Inhalte vertieft, veranschaulicht und angewendet werden. Insofern ist das Lernvideo durchaus vergleichbar mit dem guten alten Frontalunterricht – nur mit mehr Aufwand und – das sei nicht verschwiegen – mit viel Spass.

Mehr zum Thema Literaturwissenschaft findest Du unter folgenden Links:

Zu den Kompetenzen, die das Studium der Neueren deutschen Literaturwissenschaft an der Universität Zürich vermittelt, folge diesem Link.

Wikipedia: Der Beitrag ist noch an manchen Stellen auszuführen, aber die geschichtliche Entwicklung ist schon recht gut dargestellt.